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| BRAUNSCHWEIG | |||||||||||||
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| Das Herzog Anton Ulrich-Museum zählt zu den großen Kunstmuseen in Deutschland und gilt als das bedeutendste im Land Niedersachsen. Diesen Rang verdankt es seiner historischen Stellung und seinen qualitätvollen Beständen. Das Gründungsjahr 1754 qualifiziert die Braunschweiger Sammlung zum ältesten öffentlich zugänglichen Museum Deutschlands, annähernd zeitgleich mit dem Britischen Museum in London (1753). |
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| Grundlage für den Reichtum der Bestände war fürstliches Repräsentationsstreben. Am Beginn stand ein von Herzog Carl 1. von Braunschweig begründetes Kunst- und Naturalienkabinett, das zunächst in der Burg Dankwarderode am Burgplatz, dann in einem Geschoß des Paulinerklosters am Bohlweg untergebracht war. Hier wurde unter Führung des Gelehrten Daniel von Superville älterer herzoglicher Besitz mit Neuerwerbungen vereinigt. Die an Hand der zeitgenössischen Inventare noch heute überprüfbaren Bestände um 1767 umfaßten antike Münzen und Steinarbeiten, den Restbestand der aus dem Schlosse Bevern stammenden Kunstkammer, Elfenbeinarbeiten aus dem "Grauen Hof", dem alten Braunschweiger Schloß, sowie ein Kupferstichkabinett. Daß sich die Sammlung von Anfang an regen Interesses erfreute, bezeugt das überlieferte Besucherbuch, das mit Unterbrechungen bis 1806/07 geführt wurde. Die darin enthaltenen Namenseinträge vermitteln ein lebendiges Bild des 18. Jahrhunderts. Fürstliche Durchlauchten sind gleichermaßen darin vermerkt wie Verwaltungsbeamte, Pastöre, Militärs, Diplomaten, Kaufleute, Ärzte und ein Kornschreiber; an Herkunftsorten sind Stockholm, Kurland, Wien, Petersburg, London, Malaga oder Siebenbürgen angegeben; "Hochwohlgeboren Lessing aus Leipzig" besuchte 1756 gleichermaßen das Kabinett wie 1775 der bibliophile Hildesheimer Domherr Graf Kesselstatt und Johanna Schopenhauer. |
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| Die Entwicklung der Sammlung wurde jäh unterbrochen, als napoleonische Truppen 1806 auch das Land Braunschweig besetzten. Wichtige Kunstgegenstände wurden in den Louvre nach Paris entführt, von wo sie erst 1815 wieder in das Paulinerkloster zurückgelangten, das zudem die ebenfalls zurückgekehrten Bestände aus dem Schloß Salzdahlum aufzunehmen hatte. Das zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel gelegene Schloß Salzdahlum hatte Herzog Anton Ulrich (gest. 1714) als Residenz seit 1688 errichten lassen. Dieser in allen Künsten bewanderte Fürst, dem weniger politische Bedeutung als kulturelle Wirkung beschieden war, gestaltete seinen Wohnsitz als ein viel bewundertes Gesamtkunstwerk. Ein in Holzbauweise errichtetes, stetig erweitertes Gebäude mit prunkvoller wandfester Innenausstattung, gelegen an einem ideenreich gestalteten Schloßgarten, verband sich mit den dort vereinigten Kunstgegenständen zu einem idealen Ort barocken Lebens. Anton Ulrich sammelte italienische Majolika, französische Emails und ostasiatische Lackarbeiten, vor allem aber Gemälde, die in einem eigens dafür errichteten Flügel, dem ersten deutschen Galeriebau, untergebracht waren. Das außerordentliche Niveau der von ihm zusammengetragenen Gemäldekollektion, die Werke von Rubens und Rembrandt vereinigte, ist noch an den Beständen des heutigen Museums zu beurteilen, da dessen Grundstock von jener schon bei Zeitgenossen des 18. Jahrhunderts berühmten Sammlung gebildet wird. |
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| Anton Ulrichs Nachfolger hatten Schloß Salzdahlum und seine Bestände relativ unberührt gelassen. Herzog Carl I., Regent seit 1735, sorgte aber durch Erwerbungen für eine Vermehrung der Gemälde sowie für eine Neuhängung in der Galerie. Mit dem Gemäldeinventar des Galerieinspektors Harms 1744 setzen die systematischen Kataloge zu den Beständen ein, die jedoch schon Vorläufer in Beschreibungen des Schlosses seit 1697 besitzen. |
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| Am Ende des 18. Jahrhunderts machte sich bereits die labile Bauweise des Schlosses bemerkbar. Als es nunmehr nach 1806 seines kostbaren Inhaltes beraubt wurde, entfiel seine Funktion vollends: seit 1811 ließ Jérome, König von Westfalen, das Schloß abbrechen. |
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| Die im Paulinerkloster in Braunschweig 1815 vereinten Objekte litten unter einer drangvollen räumlichen Enge, aus der sie nur ein neuer Museumsbau erlösen konnte. Nach lang-wieriger Vorgeschichte wurde dieser erst nach 1882 erbaut. Die Konzeption dafür entwarf der Architekt Oskar Sommer in Zusammenarbeit mit dem Museumsdirektor Herman Riegel. Der 1887 eingeweihte, am Steintorwall gelegene Neubau besitzt drei Geschosse: Über einem Erdgeschoß umschließen zwei niedrigere Kabinett-geschosse die hohen Galerieräume. | Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist das Museum in seinem äußeren Erscheinungsbild unverändert geblieben. Die Bestände, die es birgt, erfuhren, im Vergleich zu den Bereicherungen des 17./18. Jahrhunderts, nur bescheidenen Zuwachs. Hier sind die Sammlungen Reinike (1868), Vasel (1910) und Vieweg-Tepelmann (1944) zu nennen, die die Sammlungen um Gemälde, Graphiken und textile Spitzen ergänzt haben. Nach 1918 änderte sich die Trägerschaft für das Museum, das seit 1927 den Namen "Herzog Anton Ulrich-Museum" führt. Der Staat beteiligte sich an einer Stiftung zum Unterhalt dieser Institution und übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg gänzlich die Verantwortung. Sie wird heute vom Land Niedersachsen wahrgenommen. Im letzten Weltkrieg sind Gebäudeschäden gering geblieben, doch erlitt das Museum Verluste bei ausgelagerten Skulpturen und bei kunsthandwerklichen Objekten. Glücklicherweise kamen die Bestände der Gemäldegalerie und des Kupferstichkabinetts geschlossen von ihren Auslagerungsorten zurück. | ||||||||||||
![]() Vorderfront des Herzog Anton Ulrich-Museums, Haupteingang |
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| Die letzten Jahrzehnte haben dem Herzog Anton Ulrich-Museum durch neue Aktivitäten und durch eine Aktualisierung seiner Tätigkeitsfelder ein verändertes Gepräge gegeben. Die Burg Dankwarderode am Burgplatz konnte als Dependance zur Unterbringung mittelalterlicher Kunstwerke gewonnen werden, gleichermaßen ein Haus in der Adolfstraße für die museumspädagogischen Aktionen. Eine gut ausgerüstete Werkstatt zur Untersuchung und Restaurierung von Gemälden belegt die hohe Funktionsfähigkeit des Museums bei Erfassung und Bewahrung seiner Bestände. Sonderausstellungen, oft auf internationalem Niveau, versuchen dem Museumsbesucher geschlossene Themenkomplexe nahe zu bringen. Zu seiner Erholung soll eine Cafeteria beitragen. |
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| Heute ist es keineswegs Absicht des Herzog Anton Ulrich-Museums eine Exklusivität bewahren zu wollen, wie sie sich bei dem seit 1806 amtierenden Museumsdirektor Emperius zeigte, als er den Besuch des Herzoglichen Museums täglich auf 20 Personen, auswärtige Reisende ausgenommen, beschränkte. |
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| Dem Zweck, den Museumsbesuch zu fördern und eine erste Vertrautheit mit den Sammlungen bei jedem Interessierten zu begründen, dienen auch diese Internetseiten. Gegliedert sind sie nach den einzelnen Abteilungen des Hauses, die jeweils durch eine Einleitung beschrieben werden. Auch die Restaurierungswerkstätten und die Museumspädagogik werden entsprechend vorgestellt, ebenso wie die Burg Dankwarderode mit der Kunst des Mittelalters. In den beiden Obergeschossen des Hauptgebäudes sind die Objekte nach Schulen bzw. alphabetisch nach Künstlernamen (Gemälde) sowie gemäß einem auf der Parkseite beginnenden Rundgang (Skulpturen und Kunsthandwerk) geordnet. Die Werke des Mittelalters und die des Kupferstichkabinettes folgen einer chronologischen Gliederung. Die Grundrisse erleichtern die Orientierung im Hauptgebäude. |
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